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14.05.2009

1. CAMLOG Zahntechnik-Kongress als Standortbestimmung

Digitales Zeitalter braucht zahntechnische Kompetenz

Zahntechnische Kompetenzen werden auch in Zukunft gefragt sein. Dazu zählen Planung, Materialkunde, Funktion und Ästhetik – in der konventionellen ebenso wie in der Implantatprothetik. Der 1. CAMLOG Zahntechnik-Kongress am 25. April
in der Münchner BMW-Welt glänzte nicht nur mit brillanten Vorträgen und einer vorbildlichen Stimmung, er wurde auch zu einer Standortbestimmung: Erfolgreich wird die digitale zahntechnische Zukunft nur mit erprobten Produktsystemen und verlässlichen Partnern.

Das Interesse am Kongress war riesig. Schon im Januar meldete der Veranstalter mit 600 Teilnehmern ein ausverkauftes Haus, was angesichts der unruhigen Zeiten überrascht. Viele Labors kamen mit mehreren Mitarbeitern oder “ihren” Zahnärzten. „Das unterstreicht die große Bedeutung des Teamgedankens bei CAMLOG“, so Geschäftsführer Michael Ludwig in seiner Ansprache.

Backward Planning in 3D
Vor über 10 Jahren etablierte das Team um Dr. Axel Kirsch, Dr. Karl-Ludwig Ackermann und ZTM Gerhard Neuendorff das Backward Planning: Die geplante prothetische Versorgung diktiert Position und Ausrichtung der Implantate – und nicht umgekehrt. Dieses Prinzip hat die Implantatprothetik grundlegend verändert. Durch die Möglichkeit, die Planung mithilfe von 3D-Planungssystemen weiter zu präzisieren, wurde dieses Konzept laut Neuendorff auf eine neue Basis gestellt. Dabei gehe es in der Regel nicht um eine kürzere Behandlungszeit, sondern die perfekte prothetische Positionierung.

ZTM Ralf Bahle widmete sich in seinem Vortrag der konventionellen Planung in der Implantatprothetik und unterstrich die Notwendigkeit, alle relevanten Informationen vom Patienten zu berücksichtigen.

ZTM Gerhard Stachulla begründete, warum zurzeit nur wenige Planungssysteme für das Labor relevant sind. Lobend hob er das Implantationssystem CAMLOG® Guide hervor, das für mehrere Planungssysteme offen ist (CeHa ImPLANT®, CoDiagnostiX® und SimPlant™ (in Vorbereitung)). Ein weiterer Vorteil sei die Verwendung von nur einer Bohrschablone mit Bohrstopp, in deren Hülsen alle chirurgischen CAMLOG® Guide Instrumente und Implantate passen. Für Stachulla kommt die planerische Kompetenz des Zahntechnikers heute voll zum Tragen. Um gegenüber dem Zahnarzt auf Augenhöhe auftreten zu können, sollten entsprechende Curricula absolviert werden. Beide Seiten waren sich einig, dass es in gut ausgebildeten Teams keine Probleme mit der Kompetenzverteilung gibt. Moderator ZA Horst Dieterich: „Die Team-Schnittstellen werden immer enger, die Planungshoheit bleibt aber beim Zahnmediziner.”

Alles nichts ohne Funktion
Alle Referenten betonten in München die Bedeutung des Wax-up, auf dessen Basis in vielen Fällen die Registrierung und eine therapeutische Restauration erfolgen. Zu jeder Planung gehören laut ZTM Rudolf Hrdina (Österreich) sorgfältige Situationsmodelle und eine Funktionsanalyse, die mindestens Protrusionsregistrate umfasst. Eine zentrale Rolle nehme die Relationsbestimmung ein: “Daran scheitern viele Restaurationen.”

Die klassischen gnathologischen Konzepte sind heute laut Hrdina in der Implantatprothetik ohne Einschränkung umsetzbar. Zu beachten sei das Emergenzprofil, das anhand natürlicher Zähne studiert werden könne. Aber auch ein durchdachtes Implantatsystem ist für Hrdina wichtig: “Zahntechniker waren bei CAMLOG schon immer in die Entwicklung eingebunden.”

Da Zahnersatz in ein hochkomplexes neuromuskuläres System eingegliedert wird, betreibt ZTM Jürg Stuck zur Wiederherstellung von Funktion und Phonetik eine umfassende Analyse der Zähne, Sprache und Mimik. An die Analyse schließen sich die Diagnostik und Prognose an. Erst dann folgt die Realisation. Allein der orthodontische Status eines Patienten könne dazu führen, dass bestimmte Versorgungsformen nicht machbar sind. Und: “Viele Laute entstehen mithilfe der Zungenspitze im vorderen Gaumenbereich. Das ist bei der palatinalen Gestaltung unbedingt zu beachten.”

Zirkoniumoxid bleibt heiß
Spannend waren in München auch die Diskussionen zu Materialien und Konzepten. Galvano hat trotz Bedenken einzelner Referenten seine Berechtigung, wobei für eine langfristige Funktion bestimmte Parameter wie z.B. die Abutmenthöhe eingehalten werden müssen (ZTM Gerhard Neuendorff). Alternativ sind klassische Doppelkronen sinnvoll (ZTM Ralf Bahle). Das gilt auch für Schub- oder Schwenkriegel, die von Altmeistern wie ZTM Rainer Semsch in die Implantatprothetik eingeführt wurden. Hier wurde deutlich, wie wichtig auch im digitalen Zeitalter handwerkliche Fähigkeiten sind.

Bei den Gerüstmaterialien sind weiterhin Legierungen aktuell, die gegebenenfalls mithilfe materialsparender Techniken verarbeitet werden (ZTM Andreas Kunz, ZTM Ralf Bahle). Zirkoniumoxid wird aber trotz offenkundiger Chipping-Probleme von verschiedenen Meinungsführern favorisiert und nach wie vor als Material der Zukunft gesehen. Kunz unterstrich, dass vor allem bei größeren Zirkoniumoxid-Werkstücken wegen der Isolatorfunktion ausreichend lange Halte- und Abkühlzeiten einzuhalten sind.

Ästhetik plus Präzision
ZTM Hans-Joachim Lotz zeigte, wie eine “bedingt festsitzende” Implantatprothese auf galvanisierten Zirkoniumoxid-Doppelkronen hergestellt wird. Als Gerüstmaterial eignet sich Zirkoniumoxid oder ein Polymerkunststoff für temporäre Restaurationen. Die mit geringen Mengen temporären Zements befestigte Versorgung kann bei reduzierter Hygienefähigkeit des Patienten in eine herausnehmbare Versorgung umgewandelt werden.

Was ästhetisch möglich ist, demonstrierten alle Referenten mit herausragenden Arbeiten. ZTM Haristos Girinis zeigte seine Methode des Streuens mit kieferorthopädischen Kunststoffen und eine spezielle Schichttechnik, mit der er Knochen und Weichgewebe Schritt für Schritt rekonstruiert.

Einig waren sich die Referenten darin, dass sich das CAMLOG® Implantatsystem wegen seiner hohen Präzision und der Passive-Fit-Komponenten auch besonders gut für größere Rekonstruktionen eignet. Nach Erfahrung der Zahntechniker Dieter Mozer, Peter Buddrus-Breil und Alfons Kiener, CAMLOG Mitarbeiter im Technischen Service und Training & Education, lassen sich Schwierigkeiten in Praxis und Labor bei guter Planung und Beachtung der Gebrauchsanweisung vermeiden.

Mehr als ein Datensatz
Wie sieht die Zahntechnik der Zukunft aus? Nach Überzeugung von ZTM Kurt Reichel geht kein Weg an der Digitalisierung vorbei, aber das ästhetische und handwerkliche Know-How müssen nicht zu kurz kommen: „Es wird keine Zahntechnik geben, die den Patienten auf einen Datensatz reduziert.” In Reichels Labor mit 25 Technikern bedeutet CAD/CAM zunächst eine Vereinfachung und Rationalisierung der kompletten Herstellungskette. Dies senke die Stückkosten, am wirksamsten mit vollanatomischen Restaurationen.

Reichel demonstrierte die Oberkieferfront-Versorgung mit einem Einzelzahnimplantat, einem natürlichen Zahn und zwei Veneers – eine ästhetisch sehr anspruchsvolle Aufgabe. Die Herstellung des individuellen Implantataufbaus erfolgte mit InCoris Zirkoniumoxid-Blanks für CAMLOG, gefräst mit inLab (Sirona). Sie ist prinzipiell aber auch mit anderen CAD/CAM-Systemen realisierbar. Nach der Verklebung sind Passung und Verbindung der Komponenten laut Reichel perfekt. Die Ästhetik gelang im Fallbeispiel mithilfe von Glaskeramik und Malfarben sehr überzeugend.

Auch Hubert Schenk sieht die Digitalisierung als Chance: „Digital kommt, aber bleiben Sie gelassen.” Schenk empfiehlt für Labors mit geringen Stückzahlen und für individuelle Lösungen, auf Scanner und Kopierfräsverfahren zu setzen. Bei höheren Stückzahlen und Standardanforderungen seien komplette CAD/CAM-Systeme sinnvoll.

Im Spezial-Vortrag zeigte der Motivationstrainer Dr. Marco Freiherr von Münchhausen auf humorvolle, aber fundierte Art, wie man seinen inneren Schweinehund überwindet. Entscheidend sei, diesen klugen und allgegenwärtigen Gegner anzunehmen, seine Strategien zu erkennen und entsprechende Gegenkonzepte zu entwickeln. Dann könne sich jeder weiterentwickeln und kontinuierlich neue Ziele erreichen – im privaten wie im beruflichen Bereich.

Fazit
Der 1. CAMLOG Zahntechnik-Kongress war ein Riesenerfolg. Die Moderatoren Horst Dieterich und Ralf Suckert (teamwork media) hatten umsetzbare Konzepte für voraussagbare Ergebnisse in der Implantatprothetik angekündigt – mit den Schwerpunkten Planung, Funktion und Ästhetik. Das Versprechen wurde in überzeugender Weise eingehalten und die Mischung zwischen “Handwerk für Genießer” und praktischen Tipps ist rundum gelungen. Über eine Neuauflage des Zahntechnik-Kongresses wird bei CAMLOG bereits laut nachgedacht.

Hinweis
: Teamwork media hat die meisten Vorträge des Kongresses aufgezeichnet und wird sie auf dem Video-Portal www.dental-online-community.de veröffentlichen. Schauen Sie mal rein.

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